HouseSense

Morgensonne oder Abendsonne — was sollte man wählen?

Morgensonne gibt ein kühles Haus und früh Licht, Abendsonne gibt Sonne zu der Zeit, zu der die meisten zu Hause sind — kostet aber den wärmsten Nachmittag im Haus.

Kurz gesagt: Wählen Sie Abendsonne (West), wenn die Wohnung tagsüber leer steht und Sie die Terrasse nach der Arbeit nutzen möchten — dafür wird der Nachmittag zur wärmsten Zeit im Haus. Wählen Sie Morgensonne (Ost), wenn Sie vormittags zu Hause sind, in der Wärme schlecht schlafen oder ein kühles Schlafzimmer im Sommer möchten. Im DACH-Raum ist Morgensonne im Winter praktisch abwesend: Der Tag dauert an vielen Orten unter acht Stunden und liegt symmetrisch um den Sonnenmittag, sodass die Sonne erst gegen acht Uhr aufgeht.

Morgensonne und Abendsonne sind keine Spiegelbilder

Man könnte meinen, Morgensonne und Abendsonne seien dieselbe Sonne, nur von jeder Seite des Hauses aus gesehen. Geometrisch sind sie fast symmetrisch — die Sonne steht bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang gleich niedrig. Aber sie fühlen sich völlig unterschiedlich an, weil Haus und Luft über den Tag hinweg nicht symmetrisch sind.

Am Morgen sind Gebäude und Luft die ganze Nacht abgekühlt. Die Morgensonne trifft ein kaltes Haus, und selbst kräftige Ostsonne hebt die Temperatur deshalb selten auf etwas Unangenehmes. Am Abend trifft dieselbe Menge Sonne ein Haus, das den ganzen Tag Wärme aufgenommen hat. Die Westsonne legt sich obendrauf auf die angesammelte Wärme — und genau das macht westorientierte Räume im Sommer zu den wärmsten im Haus.

Das ist der wichtigste Unterschied: Morgensonne ist kostenloses Licht, Abendsonne kostet Wärme.

Was Morgensonne gibt

Was Abendsonne gibt

Der Winter entscheidet oft die Wahl

Im Sommer bekommen sowohl Ost als auch West reichlich Sonne. Es ist der Winter, der trennt.

Zur Wintersonnenwende dauert der Tag bei 50° nördlicher Breite knapp acht Stunden — dieselbe Rechnung mit negativer Deklination: cos(Stundenwinkel) = −tan(50°) × tan(−23,4°) = 0,516 ergibt einen Stundenwinkel von 59,0° und damit 2 × 59,0 ÷ 15 = 7,9 Stunden geometrischer Tag. Weiter nördlich, etwa in Hamburg bei rund 53-54°N, sind es dagegen nur gut sieben Stunden. Der Tag liegt symmetrisch um den Sonnenmittag, der zur Normalzeit ungefähr um 12 Uhr liegt.

Das bedeutet zweierlei für die Wahl:

Die Schlussfolgerung ist unbequem, aber ehrlich: im Winterhalbjahr entscheidet nicht Ost gegen West über das Licht — es entscheidet, ob überhaupt Fenster nach Süden vorhanden sind. Auf der Nordhalbkugel ist Süden die einzige Himmelsrichtung, die im Dezember direkte Sonne liefert. Wählen Sie deshalb Ost oder West anhand der Sommer- und Frühlingsnutzung, und sorgen Sie dafür, dass mindestens ein Aufenthaltsraum Glas nach Süden hat.

Raum für Raum: Was typisch funktioniert

So entscheiden Sie es für eine konkrete Wohnung

  1. Finden Sie die Nordausrichtung des Hauses als Gradzahl — über den Nordpfeil auf dem Grundriss, über eine Karte mit Norden oben, oder mit dem Kompass des Telefons an einer Außenwand.
  2. Notieren Sie für jeden Aufenthaltsraum, in welche Richtung die Fenster zeigen und wie viele Quadratmeter Glas in jede Richtung vorhanden sind. Die Fläche zählt mehr als die Anzahl der Fenster.
  3. Achten Sie darauf, was in genau dieser Richtung Schatten wirft. Ein Verschattungswinkel wird als arctan(Höhe ÷ Abstand) berechnet. Ein 6 Meter hoher Nachbargiebel 12 Meter westlich ergibt arctan(0,5) = 26,6°. Steht die Sonne niedriger als das, wenn sie in dieser Richtung steht, kommt keine direkte Sonne herein. Mitten im Sommer steht die Sonne noch ein paar Grad über diesem Winkel, wenn sie genau im Westen steht, sodass ein Streifen Abendsonne vorbeikommt — aber in den Frühlings- und Herbstmonaten steht sie niedriger, und der Giebel nimmt die Abendsonne ganz weg.
  4. Halten Sie das gegen Ihren Tagesrhythmus. Wann sind Sie zu Hause, und in welchem Raum halten Sie sich dann auf?

Haben Sie den Grundriss der Wohnung maßstabsgetreu und richtig auf der Karte platziert, lässt sich die ganze Übung für alle Räume auf einmal machen, statt von Raum zu Raum zu raten. In HouseSense wird der Sonneneinfall im 3D-Modell aus der Position der Adresse, der Nordausrichtung des Hauses und einem selbst gewählten Datum und einer Uhrzeit berechnet — sodass Sie die Uhr am selben Datum auf 7 Uhr morgens und auf 19 Uhr abends stellen und sehen können, welches der beiden Lichter in genau diesem Haus es wert ist, bezahlt zu werden.

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Diese Artikel sind allgemeine Hinweise, keine Beratung zu deiner konkreten Wohnung. Regeln zu Flächen, Bauarbeiten und Genehmigungen unterscheiden sich von Land zu Land und ändern sich — frage vor jeder Entscheidung die Behörden oder eine Fachperson.